Medienstimmen

Basler Zeitung, 12. Juni 2012

Madonnen, Basilisken und Wohnwagen

Im Schatten der erfolgreichen internationalen Basler Kunstmesse sind noch einige andere Kunstinstallationen im öffentlichen Raum entstanden.
Die vier Basler Fähren sind derzeit Teil eines Kunstprojekts, das die mystische Kraft im Menschen widerspiegeln soll.
Meterlange Strickereien aus Wolle verzieren die Handläufe der Wettsteinbrücke. Passanten machen fleissig Fotografien der riesigen Ammedyysli. Gestern begann die Nachwuchs-Kunstmesse Liste 17 und heute öffnet die Art 43 mit der Vernissage ihre Tore. Im Schatten der erfolgreichen internationalen Basler Kunstmesse sind noch einige andere Kunstinstallationen im öffentlichen Raum entstanden.

Der Bildhauer, Maler und Fotograf Manfred Kielnhofer hat die vier Basler Fähren oder Fährenstege mit seinen «Wächtern der Zeit» bestückt. Auf der Münsterfähre steht in roter Farbe eine solche Plastik auf dem Dach. Nachts ist sie beleuchtet. Am Klingental-Fähristeg vor der Kaserne sitzt ein Wächter in Weiss. «Ich bereise Europa und stelle die Wächter als Mahnmale an Orten auf, wo bedeutende Ereignisse bevorstehen», sagt Kielnhofer. So standen seine Plastiken beispielsweise schon am Brandenburger Tor in Berlin oder aktuell an der Documenta in Kassel.

«Die Wächter sollen beim Betrachter einen starken Eindruck hinterlassen und die mystische Kraft im Menschen widerspiegeln», sagt der 45-jährige Künstler. Er wolle mit seinen Figuren auch auf die Totenwelt hinweisen, mit der sich die Menschen nicht so gerne auseinandersetzten. In der griechischen Mythologie stellt der Fluss Styx die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich Hades dar. «Der Fährmann bringt die Leute über den Fluss. Im übertragenen Sinne hat er somit auch etwas mit dem Tod zu tun», sagt Kielnhofer. Die Faltenwürfe der «Wächter der Zeit» könnten an mittelalterliche Madonnen in neuem Gewand erinnern. Kielnhofer will es aber dem Betrachter überlassen, was er mit dem Anblick mache. «Wer katholisch erzogen ist, sieht wohl anderes darin als Muslime oder Kinder», sagt der Österreicher.

Installation auf Gerüst

Ebenfalls nahe an der Kaserne, an der Klybeckstrasse 2 vor dem ehemaligen Restaurant Bläsitörli steht ein zwei Meter grosser eiserner Basilisk, zusammengeschweisst aus schrottreifen Auto- oder Eisenbahnteilen. Dieser weist auf die Genius-Art-International Basel & Belgrad hin, die erstmals in Basel neben der Dreispitzhalle an der Florenz-Strasse 9 ihre Tore für Besucher offen hat. Die Genius-Art-International ist auf Initiative des Baslers Christian M. Degen, des Kunstsammlers Pedja Acimovic aus Belgrad und des Kunstsammlers Dragan Petrovic aus Banja Luka entstanden.

Am Totentanz sticht ein Wohnwagen, der auf einem Gerüst thront, ins Auge. Die Installation stammt von Claude Lévêque und ist eines von insgesamt 14 Kunstprojekten auf dem Artparcours 2012, der sich dieses Jahr im Bereich Spitalstrasse, Schanzenstrasse, St.-Johanns-Vorstadt und St.-Johanns-Rheinweg abspielt. Im öffentlichen Raum ausgetragen wird morgen Mittwoch um 19 Uhr eine Modeschau an der Feldbergstrasse. An dem von Reh4 organisierten Anlass zeigen dieses Jahr die Labels und Designer um Peter Müller & K-Pony, Riviera, Susanne Brunner, Stephage, Katharina Andes, LadyLu und Yoshiki ihre neusten Kollektionen.

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